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Niederlahnstein - Limburg mit der Bahn

(August 1998)

Der Bahnhof von Niederlahnstein war zwar nicht mehr in sehr gutem Zustand und außerdem war er geschlossen. Dennoch bin ich der festen Meinung, daß er in der Zukunft ein erhaltenswertes Baudenkmal der späten 50er oder frühen 60er Jahre werden könnte. Vielleicht erlebt er einmal eine Renaissance.

Obwohl bis zur Abfahrt noch Zeit für eine kleine Tour durch die Stadt gewesen wäre, wollte ich aus Vorsicht lieber etwas früher am Bahnsteig sein. Wir zogen Fahrkarten am Automaten, anders als beim RMV war die Lahnstrecke hier einfach in Tarifzonen eingeteilt und man mußte nur die entsprechende Taste drücken. Ich war etwas skeptisch, ob eine Fahrkarte schon alles war, was man brauchte, um mitgenommen zu werden. Anfangs wartete außer uns lediglich ein anderer Radfahrer. In den nächsten Minuten trafen aber immer mehr Radfahrer ein, so daß schließlich 14 Fahrräder am Bahnsteig aufgebaut waren.

Der nächste Zug war ein Regionalexpress, das heißt eigentlich ein Pendolino-Triebwagen mit insgesamt 6 Stellplätzen für Fahrräder, der nur in wenigen Bahnhöfen halten würde. Wir unterhielten uns mit den anderen und stellten fest, daß viele nach Balduinstein wollten und daher in dem Express nicht mitfahren konnten, sondern den kurz darauf folgenden Zug mit dem Namen Regionalbahn nehmen würden. Der Regionalexpress hatte etwas Verspätung, nach Durchsage deswegen, weil er noch eine Verbindung abwartete.

Der Triebwagen fuhr ein. Es war kein Pendolino, denn der Pendolino war wegen eines Defekts ausgefallen. Insofern war die Durchsage etwas geschummelt gewesen. Immerhin gab es nun wenigstens (theoretisch) 14 Stellplätze. Der Triebwagenführer öffnete das Fenster und verkündete kurz und bündig: "Der Zug ist voll - ich kann keine Fahrräder mehr mitnehmen, fahren sie bitte mit dem nächsten Zug". Nach meiner Meinung sprach überhaupt nichts dafür, daß es im nächsten Zug besser aussehen würde, und mit dem Zug mußten dann ja auch die anderen nach Balduinstein. Das würde offensichtlich nur gehen, wenn der nächste Zug völlig ohne Fahrräder kam. Wenn nicht - für diesen ungünstigen Fall stand auf dem Doppelstockwagen noch ein Tip.

Hinten am Zug rief jemand "Hier ist noch Platz". Der Zugführer sagte: "Wenn noch Platz ist, dann steigt halt ein". Wir beeilten uns, nach hinten zum anderen Fahrradabteil zu kommen. Wenn da Platz war, dann war es auf jeden Fal nicht sehr viel. Mit etwas Verzögerung gelang es aber doch, noch unsere zwei und ein weiteres Fahrrad in dem Vorraum unterzubringen. Die Reise ging los. Der Zugführer informierte, daß unsere Verspätung immer weiter zunehmen würde, weil er eben keinen Pendolino hatte und deswegen nicht so schnell fahren konnte. Wir waren hingegen froh, daß wir überhaupt in einem Zug waren und nicht mehr am Bahnhof.

Ich hatte vor, auf der Rückfahrt einige Bilder zu machen, aber im Moment hatte ich andere Sorgen. Ich mußte abwechselnd mich und mein Fahrrad festhalten. Freundliche Mitreisende ermöglichten mir, einen sicheren Stand zu finden, so daß ich zumindest schon mal ein etwas verwackeltes Foto des Vorraums machen konnte. Nach einiger Zeit hielt der Zug in Nassau, wo einige Radfahrer ausstiegen, andere aber zustiegen. Immerhin hatte ich es nun soweit gebracht, daß mein Fahrrad einen eigenen Platz gefunden hatte, und so fotografierte ich aus dem Fenster nach hinten ein schönes Tunnelportal.

Mit jeder Minute näherten wir uns unserem Zuhause, und mit jedem Bahnhof stiegen mehr Leute mit Fahrrädern aus, als neue hinzukamen. Inzwischen hatten wir schon Sitzplätze.

In Limburg konnte ich dann doch noch einen fahrtüchtigen Pendolino fotografieren. Wir waren um eine Erfahrung reicher und merkten uns:  Wenn man Fahrrad und Deutsche Bahn kombiniert, sollte man sicherheitshalber die Bahnfahrt an den Anfang legen. Im September 1998 wurde übrigens der Pendolino-Betrieb aus technischen Gründen wieder eingestellt.

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