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Weilburg - Gießen mit dem Rad

(August 1998)

Am Ortseingang von Weilburg passierten wir den Weilburger Schiffstunnel, der mit einer Schleuse kombiniert ist. Sicher ist es ein interessantes Erlebnis, hier mit dem Kanu durchzufahren. Wir fuhren auf der Straße im kleinen Gang bergauf zur Stadt. Die anderen Radtouristen durften hier ihre Räder schieben, aber mit den Rennrädern hätte das sicher nicht gut ausgesehen. Wir hatten gerade die Innenstadt erreicht und eine Hauptstraße überquert, da sahen wir schon wieder ein Hinweisschild auf den R7. Bald waren wir an der Schleuse Löhnberg.

Die Schleuse war gut mit Kanus gefüllt, und jetzt verstanden wir, warum die Kanus oft in Gruppen auftauchten. Die Schleusen werden von den Bootsfahrern selbst bedient. An der Schleuse gab es einen Imbiss und ein Restaurant. Wir tankten Apfelsaftschorle in unsere Flaschen. Wie der Wetterbericht angekündigt hatte, waren es wohl an die dreißig Grad, und wir waren inzwischen ziemlich ausgetrocknet.

Der R7 führte über eine Brücke, und wir hatten noch einmal einen schönen Blick auf den Fluß, den wir nun verließen. Hinter Löhnberg unterquerte der R7 auf etwas abenteuerliche Weise die B49, wir trugen die Räder unter einer Brücke hindurch an einer Stelle, die sicher von dem Erbauer nie als Fußweg gedacht war. Danach wurde es um so komfortabler, wir hatten die alte, nicht mehr befahrene und breite Straße für uns. Hier ging es schnell voran, wir passierten die Neuselters-Werke und kamen nach Biskirchen.

In Biskirchen lohnt sich ein kleiner Umweg zum Gertrudisbrunnen. Er war nicht ausgeschildert, aber wir fuhren in die Stadt und folgten unserer Erinnerung und den Schildern zur Gertrudis-Klinik. Und da war er auch, etwas versteckt. Ein Druck auf den Knopf, und frisches Selterswasser strömte aus der Leitung, wohl noch etwas eisenhaltig und auch etwas salzig schmeckend. Ich hoffte, daß es letztlich nicht zu salzig war. Wir füllten noch etwas in unsere Flaschen. Zurück zum Ort, und dann folgten wir weiter der Nebenstraße nach Stockhausen und Leun bis nach Niederbiel. Der R7 nimmt hiert einen ganz anderen Weg und kommt in Niederbiel zurück. Leider führt er dann nicht sehr idyllisch an der vielbefahrenen B49 entlang, von der Straße nur durch eine Leitplanke getrennt, und schließlich nach Wetzlar hinein.

Wetzlar ist für seine optische Industrie bekannt, die bekannte Leica Camera AG ist aber vor einigen Jahren nach Solms umgesiedelt. Trotzdem sind Kameras für Wetzlar auch heute noch eine gute Einnahmequelle, man hat einfach eine größere Zahl auf Verkehrsampeln und in Radaranlagen installiert. Sicherlich trägt besonders der Tourismus zu den guten Einnahmen bei, denn ortskundige Fahrer haben sich seit Jahren an die Kameras gewöhnt.

Auf der 1 : 50 000 Radtourenkarte war im Wetzlarer Stadtbereich nicht viel zu erkennen. R7-Schilder sahen wir auch nicht mehr. Wir standen auf einer vierspurigen Straße in der Stadtmitte an der ersten Ampel seit Limburg. Dank unserer Ortskenntnis war es aber kein Problem, den R7 von der Fußgängerzone aus wiederzufinden. Es wäre wohl zu begrüßen, wenn Wetzlar in den nächsten Jahren die wenig ansprechenden Strecken in dem ansonsten so schönen R7 verbessern könnte.

Von Wetzlar aus führt der Weg im jetzt sehr breiten Lahntal entlang. Manchmal im Zickzack über Landwirtschaftswege, aber immer gut ausgeschildert. Wir fahren diese Strecken häufig von zu Hause aus als Rundtour. Da die Wege gut angelegt und flach sind, trifft man hier auch immer sehr viele Inline-Skater/innen, die elegant dahingleiten. Bei uns ließ die Eleganz nach, es machten sich inzwischen deutliche Ermüdungserscheinungen bemerkbar. Ein etwas schwerfällig aussehendes Tandemfahrrad, das wir gerade überholt hatten, hatte nun beschleunigt, und obwohl wir mit 30 km/h dahinfuhren, blieb es hartnäckig hinter uns. Wir lösten das Problem, indem wir an einer Bank anhielten und den letzten Fruchtriegel teilten. Das Tandem war bald nicht mehr zu sehen.

Meist sieht man nicht mehr viel von der Lahn, aber von einer Brücke aus hatten wir noch einmal einen Blick auf die verschiedenen Lahnarme und das Naturschutzgebiet. Hier waren viele Gruppen mit Fahrrädern unterwegs. Zu den Heuchelheimer Seen hin nahm der Schleichverkehr von Autos zu, auch Anliegerverkehr genannt. An diesem sonnigen Sonntag parkten kilometerlange Autoreihen an der Straße. Das große Freizeitgelände mit mehreren Seen ist bei Surfern, Seglern, Schwimmern, Spaziergängern, Sonnenhungrigen und nicht zuletzt Hundehaltern sehr beliebt.

Am Campingplatz des Dutenhofener Sees verließen wir den R7, um nach Hause zu fahren. Nach Norden hin konnte man den Gleiberg erkennen, an dessen Fuß in jedem Sommer das Golden-Oldies Fest stattfindet (Link zu travelnotes/rails/). Es war 16.30 Uhr und der Kilometerzähler, den wir in Limburg gestartet hatten, zeigte 76 km. Bis nach Gießen wären es wohl noch etwa drei Kilometer gewesen.

Die letzten Kilometer nach Hause waren die anstrengendsten. Am Ende hatten wir einschließlich der Anfahrt zum Bahnhof 99.91 km gefahren. Die Tour hatte enormen Spaß gemacht, es hatte keine Probleme gegeben, und ich kann sie oder kürzere oder vielleicht auch längere Abschnitte ohne Einschränkung empfehlen.

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