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Weilburg - Limburg mit dem Rad
Eine Gruppentour

(Juni 2001)

Im Juni 2001 hatten wir, das sind einige Mitglieder des Vereins der UUCP-Freunde Lahn, eine Radtour an der Lahn geplant. Sie sollte nicht zu anstrengend und dennoch schön werden, und daher bot sich das Teilstück Weilburg - Limburg an. Carola und ich kannten es ja schon, aber ich freute mich darauf, es ein weiteres Mal zu erleben. Die teure Spiegelreflexkamera ließ ich zu Hause und nahm nur meine handliche Digitalkamera mit, um einige Erinnerungen festzuhalten.

Bahnhof Weilburg

Die Anreise sollte aus Gießen mit der Bahn erfolgen, doch für Carola, mich und Ulrike lohnte sich das nicht, wir fuhren direkt mit den Autos zum Treffen am Bahnhof Weilburg. Am Vortag hatten die Meteorologen Regenfälle angekündigt. Aber es regnete nicht. Ein Blick in die Webcamera zeigte, daß es auch in Weilburg am Marktplatz anscheinend nicht regnete. Also machten wir uns auf den Weg nach Weilburg. Ulrike wartete bereits am Bahnhof, als wir dort unser Auto abstellten. Pünktlich um 9.04 Uhr kam der Triebwagen aus Gießen an. Burkhard, Ulrich und Wilhelm hoben die Fahrräder aus dem Zug. Der Zug verließ den Bahnhof, fuhr über die Lahnbrücke und verschwand im Tunnel. Noch eine kurze Besprechung, dann stiegen wir auf die Räder und fuhren los.

In Weilburg

Schon nach 100 m kamen auch wir an die Lahnbrücke, die mit der Schilderkombination "Radweg R7" und "Verkehrsverbot für Fahrzeuge aller Art" bestückt war. Nicht nur für die Eisenbahn gibt es hinter der Brücke einen Tunnel, sondern auch für die Touristen auf dem Wasser. Es ist der einzige Schiffstunnel Deutschlands, und da die Schiffahrt auf der Lahn schon seit der Eröffnung der Eisenbahnstrecke 1863 nicht mehr rentabel war, gehört er heute den Paddlern und Kanufahrern. Wir Radfahrer allerdings mußten den anstrengenden Umweg über eine Steigung zur Stadt hinauf nehmen. Na ja, ganz so anstrengend war es eigentlich doch wieder nicht. Auf Anregung von Wilhelm fotografierte Carola noch ein Gruppenbild von uns im Bogen des Weilburger "Landtor". Danach rollten unsere Räder wieder hinunter zur Lahn, und wir stoppten an der anderen Seite des Schiffstunnels.

Schiffstunnel und Schleuse Weilburg

Die Besatzung eines Kanus war gerade dabei, die Schleusenkammer zu fluten. Das Prinzip der verschiedenen Kurbeln war schnell durchschaut. Wilhelm beteiligte sich an der Kurbelarbeit. Zwei Klappen öffneten sich, und die Kammer begann sich zu füllen. Das dauerte länger als erwartet, und da wir bis jetzt kaum einen Kilometer zurückgelegt hatten, beschlossen wir weiterzufahren.

Campingplatz Gräveneck

Über einige Kilometer führte der Weg nun recht malerisch und völlig flach an der Lahn entlang. Er war relativ schmal, und da uns immer wieder andere Gruppen überholten, die wir dann kurz danach bei Pausen wieder einholten, mußte man etwas Vorsicht und Rücksicht üben. Gegen 10.30 Uhr erreichten wir den Campingplatz Gräveneck und dann den Ort selbst. Ein Restaurant brachte einige auf die Idee, man könnte hier anstatt auf dem Fahrrad lieber in einem gemütlichen Biergarten sitzen. Sie sprachen sich für eine Pause aus. Aber jetzt, am Samstagvormittag, war das Restaurant noch geschlossen, so daß die Entscheidung zum Weiterfahren leicht fiel. Hinter Gräveneck verläßt der Radweg die Lahn, überquert die Eisenbahn und führt dann auf einem Schotterweg eine Steigung hinauf.

Steigung und Multi-Tandem

Wanderer würden die Steigung kaum erwähnenswert finden, doch je nach Übung mußten die zahlreichen Radfahrer hier in den kleinen Gang oder sogar in den Schiebegang zurückschalten. Oben wurde es dann wieder flacher und so kamen alle mehr oder weniger elegant auf der Höhe an. Danach fährt man auf der Straße noch über zwei weitere kurze Steigungen. Hier stand ein Multi-Tandem, das wir besichtigten, und wir überlegten, ob sich die Anschaffung eines solchen Fahrzeugs für den nächsten Ausflug des Vereins lohnen würde. Der Bremser und der Lenker dieses Fahrzeugs konnten sich zwar nicht an der Strampelarbeit beteiligen. Aber das Verhältnis für Bremser, Strampler und Lenker von 1:6:1 garantierte sicherlich ein schnelles Vorankommen. Obwohl, ein Consulting - Unternehmen unserer modernen Wirtschaft hätte wahrscheinlich empfohlen, mindestens fünf Strampler zu streichen, um dadurch die Effektivität zu steigern.

In Runkel

Durch ein Randgebiet von Villmar führte uns die R7-Beschilderung weiter nach Runkel. Die Burg von Runkel mit der 550 Jahre alten Lahnbrücke im Vordergrund war ein außergewöhnlich beeindruckendes Panorama. Die Burg stammt aus dem frühen Mittelalter, sie ist wahrscheinlich von Friedrich Barbarossa gegründet und wurde 1159 erstmals erwähnt. Wenn man genügend Zeit hat, sollte man eine Besichtigung der Burg schon wegen der Aussicht auf keinen Fall versäumen. Wir sahen uns um, allerdings weniger auf der Suche nach Kultur als vielmehr nach einer geeigneten Kneipe. Das Zwitschernest nahe bei der Brücke sah recht einladend aus, und die Speisekarte hatte alles verzeichnet, worauf wir jetzt Appetit hatten, zum Beispiel ein Stück gegrilltes Fleisch mit Bratkartoffeln. Wir zögerten nicht lange und nahmen einen Platz im Garten ein.

Inzwischen hatte es sich plötzlich zugezogen, und während wir auf das Essen warteten, begann ein Gewitter. Wir mußten deswegen unseren gemütlichen Platz im Garten nicht räumen, mit etwas Zusammenrücken paßten alle unter einen der großen Schirme. Als wir fertig gegessen hatten, hatte sich das Gewitter wieder verzogen, und die Sonne kam heraus, ein optimales Timing für eine Radtour.

Campingplatz Runkel

Wir passierten den Campingplatz in Runkel, der recht gut besucht war, und fuhren auf einem Radweg an der Straße weiter über Steeden nach Dehrn.

Plattes Hinterrad

Plötzlich fiel Ulrich hinter uns zurück. Das Hinterrad seines nagelneuen Fahrrades der Marke NSU war platt. Zum Glück brauchten wir das Flickzeug nicht einzusetzen, denn bald hatten wir herausgefunden, daß sich nur die Mutter am Ventileinsatz gelockert hatte. Außerdem schien es, als ob die Mutter, mit der das Ventil an der Felge fixiert wird, zum Zwecke der Kostendämpfung eingespart worden war. Oder vielleicht, um Gewicht zu reduzieren ? Immerhin, es blieb beim Festschrauben und Aufpumpen, und nach kurzer Verzögerung konnten wir die Fahrt fortsetzen.

Lahn und Lubentius-Basilika

Etwa 100 000 Touristen befahren pro Jahr die Lahn mit dem Kanu, darunter auch das links abgebildete. Wilhelm fand, daß der hintere Platz in diesem Kanu seiner Idealvorstellung von einer Kanutour schon recht nahe käme. Von der Lubentius-Basilika in Dietkirchen, die aus dem 13. Jahrhundert stammt, war es schließlich nicht mehr weit bis Limburg. Am Beginn der Fußgängerzone stiegen wir ab und schoben die Räder durch die engen Gassen der Altstadt hinauf zum Dom. Wir waren am Ziel der Tour angekommen, dem Limburger Dom.

Limburger Dom

Bald wird es wohl nur noch wenig Leute geben, die wissen, daß er früher einmal auf dem Schein "1000 Deutsche Mark" abgebildet war, der ebenso Geschichte ist wie die Deutsche Mark selbst. Nur wenige Sammler haben einen in ihrer Sammlung, nehme ich an, und der oben abgebildete befindet sich leider auch nicht mehr in meinem Besitz. Jedenfalls ist der Dom sehr eindrucksvoll auf einer Anhöhe über der Lahn gelegen, weithin zu sehen, im spätromanischen Stil gebaut und mehr als 750 Jahre alt. Wir nahmen uns Zeit für eine Kurzbesichtigung und prüften dann schon einmal den Taschenfahrplan, um zu sehen, welche Züge für die Rückreise in Frage kommen würden.

Altstadt in Limburg

Limburgs Altstadt hat nicht nur außergewöhnliche Fachwerkhäuser mit Schnitzfiguren zu bieten, sondern auch eine ganze Anzahl Eisdielen. Wir suchten eine auf dem Weg zum Bahnhof aus und brachten dort den Rest der Zeit bis zur Abfahrt des Zuges zu. Am Bahnhof angekommen fanden wir schnell heraus, daß der vorgesehene Zug samstags nicht fuhr. Bis zum nächsten Zug sollte noch eine Stunde vergehen, außerdem hatte der nur 6 Fahrradplätze, die möglicherweise besetzt sein konnten. Carola und ich waren skeptisch und entschieden uns daher, heute ganz auf die Bundesbahn zu verzichten und mit dem eigenen Rad zurückzufahren. Dadurch verbesserten sich wiederum die Chancen für die anderen, und tatsächlich konnten sie in dem ersten Zug mitfahren. Es war zwar ein wenig eng, aber es ging dann. Auch Carola und ich kamen auf dem Rückweg gut voran, wir kürzten einige verzwickte Radweg - Abschnitte über die Straße ab. Unser Tacho zeigte 72 Tageskilometer, als wir das Fahrrad in Weilburg wieder ins Auto luden. Inzwischen war es etwa 17 Uhr, durch die ausgiebigen Pausen und Verzögerungen etwas später, als ich gedacht hatte.

Die Tour war sehr schön gewesen, darin waren alle einig. Wir können sie auf jeden Fall empfehlen, für mich zählt diese Teilstrecke zu den schönsten des Radwegs R7, und historisch gesehen bietet sie ebenfalls außergewöhnliche Sehenswürdigkeiten. Die Strecke ist bis auf wenige kurze Steigungen flach. Mit Hilfe der Bahn bleibt es eine gemütliche Tour von etwa 35 km. Angaben zur Fahrtzeit sind schwer, es hängt einfach davon ab, wieviel Pausen man an schönen Stellen macht. Für mittelgute Radfahrer ist sie hin und zurück auch mit ca. 70 km immer noch recht einfach zu fahren.

Link: Die Lahnkanalisierung, ein Artikel zur Schiffahrt auf der Lahn
Link: Die Lahn von oben, mit einem Luftbild von Weilburg
Link: Weilburg, die Homepage der Stadt

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