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Eine Fahrradtour an der Lahn

Gießen - Limburg mit der Bahn

(August 1998)

Die Tour war schnell geplant - die 1:50000 Tourenkarte hatten wir schon lange, und bei http://bahn.hafas.de/ suchten wir die Züge heraus. Sie fuhren etwa stündlich, abwechselnd ein schneller durchgehender, vermutlich ein Pendolino, und dann ein langsamerer Triebwagen, der die kleineren Orte bediente. "FB" war im Fahrplan vermerkt, und das bedeutete "Fahrradmitnahme bedingt möglich". Das klang nicht sehr optimistisch, aber wir wollten es versuchen. Notfalls konnten wir die Rennräder in wenigen Minuten zerlegen und vielleicht unter dem Sitz verstauen.

Ungewöhnlich früh standen wir am Sonntag auf, denn um 10.30 Uhr sollte in Gießen der Triebwagen nach Limburg abfahren. Genauer gesagt, es war kurz vor 9 Uhr. Ein schnelles Müsli-Frühstück und die letzten Überlegungen, und dann schwangen wir uns um 9.45 Uhr auf die Räder, fünf Minuten vor der geplanten Zeit. Sonne und Temperaturen bis 30 Grad waren vorhergesagt, also brauchten wir hauptsächlich etwas zu trinken, sonst aber nicht viel. An jedem Fahrrad waren zwei Trinkflaschen befestigt, das restliche Gepäck hatten wir in zwei kleinen Bauchgurten. Die Kamera transportierte ich in einem zusätzlichen, etwas größeren Bauchgurt. Eine Miniatur-Luftpumpe, ein paar Miniatur-Schraubenschlüssel, ein paar Pflaster, Taschentücher und natürlich etwas Geld, das war alles. Für jeden noch zwei Fruchtriegel, mehr brauchte man nicht für eine schnelle Tour, wie wir sie vorhatten.

Oder war da doch noch etwas ? Wir waren schon eine Zeitlang bergab gerollt, als Carola feststellte, daß wir etwas Wichtiges vergessen hatten. Beim Frühstück hatten wir die Karte noch betrachtet und dann war sie liegengeblieben. Ich drehte sofort um und fuhr so schnell wie möglich den Berg wieder hoch. Jetzt waren wir etwa fünf Minuten zu spät und mußten uns bemühen, die Verzögerung wieder aufzuholen. So schnell es ging, fuhren wir weiter und waren etwa 8 Minuten vor der Abfahrt am Bahnhof. Um die Bedienung des Rhein-Main-Verkehrsverbund-Automaten zu erlernen, war es jetzt zu spät, außerdem würde der Automat sicher nicht wissen, ob wir einen Fahrradzuschlag bezahlen mußten. Carola ging in den Bahnhof, um Fahrkarten zu besorgen, und ich schob die Räder außen vorbei zum Zug.

Neben der Wagentür war ein Fahrradsymbol aufgemalt, und ich las auch die Worte: "Fahrscheine beim Fahrer - Außer im Verbundverkehr". Wollten wir nun im Verbundverkehr fahren oder nicht... Offensichtlich war auch dieses Schild nicht für Laien vorgesehen. Es gab heute aber auch keine Schlange am Fahrkartenschalter im Bahnhof, und bald war Carola mit zwei Fahrkarten da, die zusammen DM 30 gekostet hatten. Die Fahrkarte lautete von "Bahnhof nach 6000", es war offensichtlich, daß der Computer sich auf Zahlen verlegt hatte, weil er sich die vielen komplizierten Ortsnamen im RMV-Gebiet nicht merken konnte. Ein Zusatzticket für die Räder war nicht erforderlich.

Zwei Minuten später waren wir unterwegs. Den Vorraum teilten wir mit zwei anderen Fahrrädern und einem Kinderwagen. An der vorderen Einstiegstür des Triebwagens war ein gleichartiger Raum, und von dort konnten man nach vorne auf die Strecke sehen, ein Vorteil, den nur die Triebwagen bieten können.

Die Bahnstrecke führte zunächst abseits der Lahn und näherte sich ihr dann wieder. Links in dem obigen Bild sind die Fabrik-Anlagen bei Biskirchen zu sehen, in denen das erfrischende "Neuselters" hergestellt wird.

Formsignale wirken immer etwas nostalgisch und paßten gut zu der ländlichen Idylle.

Auf den Weilburger Bahnhof folgte der Weilburger Tunnel. Auch für die Kanufahrer gibt es hier einen Tunnel, den Weilburger Schiffstunnel mit einer kleinen Schleuse. Später auf der Tour konnten wir ihn dann sehen.

Hinter Weilburg führte die Bahnstrecke zumeist an der Lahn entlang, die malerisch von Büschen gesäumt war, und es waren schon zahlreiche Paddler und Kanufahrer unterwegs.

Wir achteten unterwegs auf den Radweg und stellten beruhigt fest, daß er im allgemeinen gut ausgebaut war. Inzwischen hatten wir Aumenau erreicht und fuhren auf den Bahnhof zu.

Um 11.43 waren wir in Limburg. Wir stiegen aus, und einige andere Radfahrer übernahmen unsere Plätze. Die erste Teilstrecke unserer Tour war geschafft, jetzt mußten wir nur noch nach Hause fahren.

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