Kurama

(1998)

Kurama ist ein kleiner Ort mit einger bedeutenden Tempelanlage in den Bergen um Kyoto. Zahlreiche Einwohner von Kyoto und viele japanische Touristen besuchen Kurama, einmal wegen der Tempel, denen eine besondere spirituelle Macht zugeschrieben wird, zum anderen wegen des Onsen, das ist eine Badeanlage, die an einer heißen Quelle angesiedelt ist.

Kyoto ist von Bergen umgeben, und da Wanderungen, selbst wenn sie nur kurz sind, für uns immer die wertvollsten Erlebnisse auf Reisen waren, wollten wir dort gerne etwas unternehmen. Leider gibt es in den üblichen Reisebüchern keinerlei Informationen über geeignete Strecken. Von Carolas japanischen Kollegen hatten wir aber die Empfehlung bekommen, daß Kurama ein geeigneter Ort sei. Sie hatten recht, es war leicht zu erreichen, und es gab dort viele Möglichkeiten, allerdings war unsere Zeit leider sehr knapp bemessen.

Wir sind vergleichsweise routinierte Wanderer auf langen Strecken, diese wenigen Kilometer hier waren aber doch etwas Neues, denn mangels Informationen mußten wir uns überraschen lassen.

Wir freuten uns auf unsere erste Tour, auch wenn es nur eine kleine Halbtageswanderung sein würde, wir waren aber auch sehr gespannt, wie die Gegebenheiten sein würden. Es war Juni, also Regenzeit, und gestern hatte es ununterbrochen geregnet. Heute war es dagegen sonnig. Wir hatten eine topografische Karte, in der allerdings die Höhenlinien keine Meterangaben hatten, nur die Bergspitzen waren mit Zahlen versehen. Hier waren einige Wege eingezeichnet. Vor der Reise hatten wir uns noch Leicht-Wanderschuhe von Salomon gekauft, der Compukånken, in dem ich sonst den Notebook transportierte, mußte als Rucksack dienen, wir hatten auch ein japanisches Wanderbuch, in dem der Weg, den wir gehen wollten, in eine Karte eingezeichnet und beschrieben war, allerdings konnten wir die Beschreibung nicht lesen.

Da wir von den Vortagen noch sehr angestrengt waren, schafften wir es nicht, in aller Frühe aufzustehen. Um etwas Zeit zu sparen, nahmen wir vom Hotel ein Taxi zur Bahnstation der Eiden-Line, die nördlich der City liegt und Demachi-Yanagi heißt. Auch viele andere Wanderer wollten offensichtlich nach Kurama, und etwa halbstündlich fuhr ein Zug. Die Fahrt führte aus der Stadt heraus, und einige Bilder sind auf einer eigenen Seite zu sehen. Gegen 12.15 Uhr stiegen wir in Kurama aus, dieser Ort war auch die Endhaltestelle der Bahnlinie.

Nach ein paar Minuten war das Städtchen durchquert, wir kauften noch ein Sandwich und etwas zu trinken. Bald kamen wir zum Eingang der Tempelanlage, wo wir zunächst den Eintritt bezahlten. Der Weg führte meist auf Treppen, manchmal auf schrägen gepflasterten Wegen, durch einen Wald immer weiter bergan. Wir kamen schon nach kurzer Zeit ordentlich ins Schwitzen. Es war heiß, an die 30 Grad, und die Luftfeuchtigkeit war hoch, schließlich hatte es gestern auch den ganzen Tag geregnet.

Wir kamen an vielen kleinen und größeren Tempelanlagen vorbei, denen wir heute aber keine große Beachtung schenken konnten. Die meisten anderen Ausflügler waren wohl eher wegen der Tempel hierher gekommen, und wir überholten sie nach und nach.

Die Getränke waren schon nach einer halben Stunde aufgebraucht. Das sollte nicht schlimm sein, denn in Japan ist man meistens nur etwa 500 Meter vom nächsten Getränkeautomat entfernt, und wir wollten daher bei dieser Hitze nicht auch noch Getränke mit uns herumschleppen. Einen kleinen Rest hatten wir ja noch. Wir stiegen weiter auf den Treppen nach oben. Kurz vor dem Haupttempel trafen wir wieder auf einen Getränkeautomaten. Wie es aussah, war es auch nicht mehr weit bis zum höchsten Punkt, an dem wir eine Rast machen wollten, so daß wir noch auf den nächsten Automaten warten konnten.

Vor dem Haupttempel lagerten viele Menschen, weil heute wohl eine Veranstaltung stattfinden sollte. Leider gab es nun, anders als erwartet, hier keine Getränke mehr, der Weg führte jetzt statt dessen in den Wald hinein. Wieder abzusteigen, um etwas zu trinken zu besorgen, kam nicht in Frage.

Die Höhe war erreicht. Wir blieben einen Moment stehen und tranken den letzten Rest aus. Da wir etwa eine Stunde gebraucht hatten, werden es wohl etwa 300 m Aufstieg gewesen sein.

Von nun an ging es abwärts durch einen dichten Wald, in dem auch einige kleinere Tempel zu Ruhepausen einluden. Zahlreiche Wanderer kamen uns einzeln oder in kleinen Gruppen entgegen. Unsere freundliches und routiniertes "Konnichi wa" wurde ebenso freundlich und manchmal mit etwas spürbarer Überraschung erwidert.

Der Weg führte beständig abwärts. Zumindest war Abwärtsgehen nicht mehr so schweißtreibend, und hier war es auch ein wenig kühler.

Nach etwa 45 Minuten hatten wir das Ende des Weges an einer Nebenstraße erreicht, wir überquerten einen kleinen Fluß auf einer Brücke, und da war er auf der anderen Seite der Straße - der Getränkeautomat. 

Er bot endlich die Erfrischung, auf die wir gewartet hatten. Wir leerten zwei Flaschen sofort und nahmen uns noch etwas mit. Wir wanderten nun auf der kleinen, nur von wenigen Autos befahrenen Straße weiter, die an dem Fluß entlangführte. Links und rechts der Straße standen Häuser, und es waren fast sämtlich Restaurants.

Fast alle waren in gleicher Weise angelegt: der Fluß war mit einem Holzgerüst überspannt, auf dem an kleinen Tischen die Gäste saßen. Es sah recht exklusiv aus, und unsere Erfahrung sagte uns, daß das hier wohl nicht billig war. Zur Zeit waren nur wenige Gäste da, aber der richtige Betrieb würde wohl erst gegen Abend losgehen.  

Nach einer halben Stunde auf der Straße erreichten wir die Abzweigung, an der wir die Straße wieder verließen, und ein Schotterweg führte bergauf in die Wälder.

Inzwischen waren wir soweit aufgestiegen, daß wir wunderschöne Ausblicke in das Tal genießen konnten. Wir hatten anfangs eine entgegenkommende Gruppe von Wanderern begegnet, danach trafen wir zunächst niemanden mehr.

Der Weg war mit Schleifen an den Bäumen markiert, nicht schwer zu gehen, aber durch den gestrigen Regen war es eine recht feuchte Angelegenheit, zumal er immer tiefer durch das Gebüsch führte. Wir hatten uns eine Zeit gesetzt, wann wir oben sein mußten, um auf einem anderen Weg nach einer Stunde wieder einen Bahnhof der Eiden-Line zu erreichen. Um 17 Uhr waren wir mit Sugi und Familie verabredet, er wollte uns am Bahnhof abholen, um mit uns in ein Nabe - Restaurant zu gehen.

Wir kamen wir nicht mehr gut voran. Das Gebüsch war enger, und der Weg war teilweise zu einem Wasserlauf geworden. Weit konnte es nicht mehr sein bis zur höchsten Stelle.

Zwei Mädchen kamen uns entgegen. Wir tauschten etwas Erfahrungen aus. Nach der Abzweigung sollte es wieder einfacher werden. Aber dennoch die Zeit war einfach zu knapp. Wir überlegten noch etwas und drehten dann um. Bald hatten wir die beiden wieder eingeholt.

 

Mit ihren Turnschuhen hatten sie auf dem rutschigen Boden dieses Wegstücks Probleme. Manchmal waren Kletterseile gespannt, an denen man sich festhalten konnte. Wir erreichten wieder den Schotterweg. Nachdem wir schließlich unten im Tal waren, tauchten wir unsere Handtücher in den Fluß, wischten uns den Schweiß ab und zogen gleich frische Kleidung an. Der Rest des Wegs zum Bahnhof war ein einfacher Spaziergang. Die Restaurants auf dem Fluß füllten sich langsam.

Wir hatten Glück und mußten nicht lange auf den Zug warten. Rechtzeitig vor 17.00 Uhr waren wir wieder im Bahnhof von Demachi-Yanagi. Eine halbe Stunde später saßen wir im Nabe-Restaurant.

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