Auf dem Pilgerpfad von Koya-san

(Juni 1998)

Auf einer eigenen Seite findet sich eine Beschreibung der Tempelanlage von Koya-san und ihrer Bedeutung.

Koya-san liegt auf einer Höhe von etwa 800 m in den Bergen südlich von Osaka. 180 Steinsäulen markieren den Pfad, auf dem etwa seit dem Jahr 700 die Pilger aus dem Tal zur Tempelanlage wanderten. Das Daimon, das "große Tor", markierte den Eingang. Der Weg durchquert Koya-san und endet im östlichen Teil am wichtigsten Tempel, dem Okonu-in. In der Vergrößerung der untenstehenden Tafel habe ich den Abschnitt mit grünen Punkten markiert, den wir vom Daimon bis zur Bahnstation Kiihosokawa Station gewandert sind. Wir brauchten dazu etwa dreieinhalb Stunden.

Den Anstieg auf die Hochebene von Koya-san legt der heutige Tourist im Allgemeinen mit einer Bergbahn zurück. Der Ehrgeiz, nach Koya-san aufzusteigen, fehlte auch uns, aber zum Abschluß unseres Aufenthalts wollten wir den Pilgerpfad zumindest bergab gehen. Eine Beschreibung in Englisch war nicht zu bekommen, aber wir hatten eine kleine Karte in einem Wanderbuch, die uns zur Orientierung ausreichen mußte. Die Mönche im Anyo-in, unserer Unterkunft, schienen etwas Bedenken zu haben, aber auf einem Werbeheft über Koya-san hatte ich ein Bild gesehen mit Arbeitern, die offensichtlich diesen Weg pflegten, und so konnte es doch wohl nicht so schwer sein, ihn zu gehen.

Etwas ungewohnt im Vergleich zu unseren sonstigen Unternehmungen war, daß wir als Rucksack nur den Compukånken hatten, in den wir die vielen Bücher hineinstopften, die wir aus Kyoto mitgebracht oder unterwegs gekauft hatten, die Kleider hingegen beförderten wir in einer Reisetasche, die ich mir umhängte. Die Kameratasche noch hinzugerechnet, sah ich daher wohl etwas unbeholfen aus, und so habe ich hier ein Bild von Carola an den Anfang gestellt.

Gegenüber dem Daimon, dem großen Tor, überquerten wir die Straße und standen an dem Schild, das den Beginn des Wanderwegs markierte.

Zunächst etwas steiler und dann eher gemächlich führte der Pfad durch einen dichten Wald hinunter ins Tal. Nein, nicht nur abwärts, er querte auch einige Zwischentäler, und so kamen gelegentliche kleine Anstiege hinzu.

Der Pfad war in gutem Zustand und tatsächlich sehr gepflegt. Meine Vermutung hinsichtlich des Bildes hatte sich bestätigt.

In regelmäßigen Abständen passierten wir einen der 180 Steine, die den Weg markierten. Die besondere Bedeutung der einzelnen Steine konnten wir nicht erfahren, denn uns fehlte eine Beschreibung.

Auch wenn es mit dem Reisegepäck nicht gerade bequem war, so entschädigte uns die Landschaft für die Mühe, und die Wanderung war ein Erlebnis. Jetzt regnete es etwas - oder war das die allgemeine Feuchtigkeit ? Nein, es regnete. Als Schutz hatten wir vor allem unsere Regenschirme, bei 25 Grad und 100% Luftfeuchtigkeit hätte ein Anorak wohl auch nicht viel genutzt.

Selten eröffneten sich Ausblicke auf die umgebenden Berge. Meist wanderten wir ohne Fernsicht im tiefen, etwas geheimnisvoll wirkenden Wald dahin. Auf etwa halber Strecke erreichten wir die Straße. Der Weg kreuzt die Straße allerdings nicht, sondern er führt auf der gleichen Seite weiter. Nach etwa zwei Stunden hatten wir den Abschnitt zurückgelegt, den wir gehen wollten, und standen an einer Straßenkreuzung mit Schildern, Tankstelle und Getränkeautomat. Von hier an wollten wir eine kleine Straße weitergehen, die zum nächstgelegenen Bahnhof mit dem Namen Kiihosogawa Station führte. Bis zum Bahnhof waren es noch 4,5 km.

Gelegentlich kamen Autos vorbei, und die freundlichen Angebote, uns mitzunehmen, lehnten wir ebenso freundlich ab. Vielleicht hätten wir sie annehmen sollen, denn inzwischen hatte es sich eingeregnet. Wir waren recht durchnäßt, bei Temperaturen um 25 Grad brauchten wir deswegen aber nicht zu frieren.

In dem engen Tal gab es einige kleine Dörfer, und die flacheren Gebiete wurden landwirtschaftlich genutzt. Reisfelder, Bananenstauden und kleine Bambushaine sahen malerisch aus.

Zum Bahnhof hin stieg die Straße am Schluß noch einmal steil an. Wir waren wie aus dem Wasser gezogen, als wir ihn erreicht hatten. Die Zeit, bis der Zug kam, nutzten wir, um uns in der Toilette des kleinen Bahnhofs wieder frische Sachen anzuziehen.

Hier konnten wir den Zug nicht verpassen, denn wir waren im Moment die einzigen Fahrgäste, und der Bahnhofsbeamte war bemüht, uns persönlich und rechtzeitig zu informieren. Gegen 15.00 waren wir wieder zurück in Osaka.

BACK